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von Vorteil oder Risiko ?
Urteilen Sie selber:
Kurze Erklärung der möglichen OP:
Sterilisation: Entfernung der Keimdrüsen - bitte nur bei Kätzinnen
anwenden, die noch nicht geworfen haben. Sonst erhöht sich das
Risiko einer Gebärmutterentzündung bzw. auch von Tumoren.
Kastration: Bei Katern: Entfernung der
Hoden.
Bei Katzen: Total-OP.
Nur ein Gebärmutterstumpf im Becken bleibt (da nicht heran zu
kommen). IMMER, wenn eine Katze schon geworfen hat
Seit Jahr und Tag gibt es tagtäglich die gleichen Meldungen: Die
Tierheime sind ebenso wie die privaten Pflegestellen überfüllt,
Katzenelend auf dem Lande, Katzenelend in der Stadt.
Die Ansicht (aus dem Reich der Märchen und Sagen), dass Katzen vor
der Kastration 1. einmal rollig sein und 2. (schlimmer!) einmal
werfen sollten, scheint sich auch hier bei uns hartnäckig zu halten.
Handelt es sich um einen Kater, wird oft empfohlen, das erste
Lebensjahr verstreichen zu lassen. Als Grund wir hier eine "bessere"
Entwicklung vorgeschoben. Dem ist aber nicht so.
Die sicherste Art, Nachwuchs zu vermeiden ist kastrieren, bevor
"Schätzchen" in der Lage ist, sich zu vervielfältigen! Und das hat
sogar Vorteile. Kastrierte Kätzinnen sind gegen Gebärmutterkrebs und
Gebärmutterinfektionen weit gehend geschützt. Bei Katern reduziert
die Kastration das Risiko von Hodenkrebs und einer
Prostata-Vergrößerung sowie den damit verbundenen Infektionen. Vom
Standpunkt des Haustierbesitzers ist ein sterilisiertes oder
kastriertes Tier ein viel besserer Wohnungs-/Hausgenosse. Mit der
Kastration verschwindet auch ein Großteil der Aggresivität, die
Reviere werden kleiner (d.h. Katerchen streunt nicht mehr so weit
herum und ist deswegen weniger Gefahren ausgesetzt) und auch die
Raufereien nehmen ab. Ein Kastrat wird sehr viel weniger als Rivale
angesehen und deshalb in längst nicht so viele Revierkämpfe
verwickelt. Das wiederum zieht nach sich, dass Kastraten sich
deutlich weniger oft mit tödlichen Infektionskrankheiten anstecken.
Züchter stehen oft vor dem Problem, ein Jungtier als "Liebhabertier"
und nicht als Zucht- und Ausstellungstier abgeben zu wollen.
Kastrationsverträge oder auch Zuchtsperrvermerke sind leider kein
100%iger Schutz. So mancher "Liebhaber" mutiert ob der
(vermeidlichen) Ansicht von schnellem Geld zum Vermehrer.
Dr. W. Preston Stubbs von der Universität in Florida überprüfte die
Möglichkeit von Frühkastrationen bei Katzen und stellte seine
Ergebnisse beim Feline Medicine Symposium der Davis-Universität in
Kalifornien vor, die hier zusammengefasst werden:
Im Jahr 1993 wurden 96 Kätzchen im Alter zwischen 6-14 Wochen
kastriert, die alle die Operationen ohne größere Komplikationen
überstanden. Im gleichen Jahr erschien ein Bericht über Kastrationen
von 350 Tieren, durchgeführt vor Eintritt deren Geschlechtsreife.
Auch hier waren in keinem Fall Schwierigkeiten oder gar Todesfälle
zu verzeichnen, die Zahl der Wundinfektionen war sogar geringer als
nach "normalen" Kastrationen. Nachdem die Operationstechniken
entwickelt waren, wurden diese Tiere jedoch nicht über einen
längeren Zeitraum beobachtet, in dem es vielleicht zu Spätfolgen
gekommen wäre.
Eine solche Untersuchung an insgesamt 62 Tieren wurde dann erst von
Dr. W. Preston Stubbs durchgeführt.
Frühkastrationen stellen an den Tierarzt als Anästhesisten und
Chirurgen etwas höhere Anforderungen als Regelkastrationen. Leber,
Lunge und Herz-Kreislaufsystem sind bei Jungtieren noch nicht
vollständig entwickelt, sie reagieren daher auf Narkosemittel anders
als erwachsene Tiere. Es muss gewährleistet sein, dass der
Sauerstoffgehalt des Blutes relativ hoch ist, das Kätzchen nicht
zuviel Blut verliert und warmgehalten wird. Außerdem dürfen keine
Narkotika verwendet werden, die den Herzschlag verlangsamen oder den
Blutdruck senken. Die sonst vor Operationen übliche Fastenzeit über
mehrere Stunden birgt das Risiko einer Unterzuckerung in sich, dem
durch Gaben von Glukose vorgebeugt werden kann. Die Kastration eines
jungen weiblichen Kätzchens ist vergleichbar mit der einer
erwachsenen Katze, durch das Fehlen von Fettgewebe technisch
wahrscheinlich sogar noch leichter. Einen erst wenige Wochen jungen
Kater zu kastrieren, bei dem die (noch zylindrischen) Hoden nur
tastbar aber kaum sichtbar sind, ist jedoch etwas schwieriger.
Trotz der zumindest theoretisch vorhandenen Risiken überwiegen
jedoch die Vorteile bei Frühkastrationen:
- Eine Vermehrung wird mit Sicherheit verhindert. - Die Operation
selbst und somit auch die Narkosezeit sind kürzer.
- Dadurch, dass kaum Fett vorhanden ist, können die Keimdrüsen
weiblicher Tiere schneller und besser gesichtet werden
- Die Jungtiere erholen sich rascher von der Operation.
Um die eventuellen Spätfolgen in einer Langzeitbeobachtung an der
Universität erkennen zu können, wurden die 62 Tiere (31 Katzen und
31 Hunde) in je drei Gruppen aufgeteilt.
Die Untersuchungsergebnisse im Einzelnen:
Knochenwachstum
Keimdrüsenhormone haben auch einen Einfluss auf die Entwicklung des
Skelettes. Sowohl Testosteron als auch Östrogen fördern die
Knochenreife, ihr Fehlen lässt ein verspätetes Schließen der
Wachstumsfugen vermuten, was wiederum zu einem verstärkten
Längenwachstum der Knochen führen würde. Genaue Messungen von Elle
und Speiche der "Versuchstiere" haben dies auch in der Gruppe I der
Hunde bestätigt, nicht jedoch bei den Katzen.
Körpergewicht
Die Steuerung des Körpergewichtes erfolgt durch das Zusammenspiel
von Hormonen, die einmal direkt auf das Sättigungs- und
Bewegungszentrum im Gehirn einwirken und zum anderen indirekt auf
den Zellstoffwechsel. Hier zeigten sich bei den untersuchten Gruppen
auch signifikante Unterschiede. Mit Hilfe von Röntgenbildern wurde
außerdem die Dicke der Fettschicht an einer bestimmten, immer
gleichen Stelle gemessen. Bei Auswertung der Ergebnisse konnte
festgestellt werden, dass männliche Tiere schwerer sind als
weibliche und Kastraten schwerer als unkastrierte Tiere, jedoch gab
es keinen Unterschied zwischen den "frühen" und den "normalen"
Kastraten.
Harninkontinenz
Sowohl bei weiblichen als auch bei männlichen Tieren wurde
mit Hilfen von Sonden, die Drucksensoren trugen, der Innendruck von
Blase und Harnröhre gemessen, dann graphisch dargestellt und
miteinander verglichen, es zeigten sich keine Unterschiede bei
kastrierten und unkastrierten Tieren. Bei den Katern wurde
zusätzlich der Durchmesser der Harnröhre bestimmt, auch hier hatte
die frühe Kastration keine negativen Auswirkungen, eher im
Gegenteil, die Kater, die schon mit 7 Wochen kastriert worden waren,
hatten mit f 1,9 mm den größten Harnröhrendurchmesser, verglichen
mit den unkastrierten Katern waren das ca. 0,2 mm mehr, und immerhin
wies die Harnröhre der Regelkastraten noch einen Durchmesser von ca.
1,8 mm auf. (Ein weiterer Hinweis darauf, dass die Ausprägung des
FUS nicht durch eine Kastration gefördert wird.)
Ausprägung der sekundären Geschlechtsmerkmale
Es wurde festgestellt, dass sich bei den weiblichen Frühkastraten
die äußeren Geschlechtsorgane nicht vollständig entwickelten, jedoch
blieb dies ohne gesundheitliche Auswirkungen, Entzündungen der
Scheide oder der Schamlippen wurden nicht beobachtet. Bei den Katern
waren die sog. Penis spinae (kleine Dornen auf der Eichel) stark
unterentwickelt, Vorhautverwachsungen, wie sie in einer Untersuchung
aus dem Jahr 1971 gefunden wurden, konnten nicht bestätigt werden.
Jedoch ist zu bedenken, dass diese Aussage sich nur auf drei
untersuchte Kater stützt und so nicht verallgemeinert werden kann.
Festzuhalten ist aber, dass sich bei allen Tieren der Studie auf
diesem Gebiet keine negativen Auswirkungen zeigten.
Verhaltensänderungen
Ein außenstehender
Beobachter, ansonsten nicht eingebunden in die Untersuchung,
protokollierte das Verhalten der Tiere in kleinen Gruppen und
bewertete die Parameter Aktivität, Verspieltheit, Lautäußerungen,
Reizbarkeit, Aggression untereinander und Anhänglichkeit in einer
Skala von 0 bis 4. Die Ergebnisse waren in allen Gruppen ähnlich.
Auffällig war jedoch, dass die unkastrierten Katzen (und Kater) sich
aggressiver zueinander und weniger anhänglich gegenüber dem
Beobachter verhielten. Es gab wiederum keine Unterschiede zwischen
den "frühen" und den "normalen" Kastraten.
Veränderungen des Immunsystems
In der Katzenkolonie brach zweimal Katzenschnupfen aus, es waren
aber keine Unterschiede in der Immunantwort der Tiere feststellbar,
alle erkrankten, bei allen kam es zu bakteriellen
Sekundärinfektionen, alle sprachen gut auf eine Standardtherapie an.
Genaue Titerbestimmungen wurden jedoch nicht durchgeführt. Ähnliche
Untersuchungen bei Mäusen oder bei Hühnern hatten zum Ergebnis, dass
die Immunantworten bei Kastraten verstärkt waren, bei Mäusen sogar
umso mehr, je früher sie kastriert wurden. Es ist anzunehmen, dass
Kastrationen auch bei Katzen Auswirkungen auf das Immunsystem haben,
jedoch ist ebenso wahrscheinlich, dass diese klinisch nicht
signifikant sind.
Zusammenfassend ist festzustellen, dass es
Unterschiede im Körpergewicht, Körperfett und Verhalten zwischen den
kastrierten und unkastrierten Tieren dieser Langzeitstudie gegeben
hat. Für keines der untersuchten Parameter ergaben sich jedoch
Unterschiede zwischen den Früh- und den Regelkastraten. Aus den
Ergebnissen ist daher weiterhin zu schließen, dass eine
Frühkastration ohne negative Auswirkungen für das Tier ist, auch
wenn die körperlichen Veränderungen durch Ausschüttung von
Geschlechtshormonen mit Beginn der Pubertät nie einsetzen. Lediglich
junge Kater, deren Hoden sich noch nicht im Hodensack sondern im
Leisten- oder Bauchraum befinden, können nicht im Alter von wenigen
Wochen kastriert werden, auch ungeimpfte Tiere sollten dem Stress
einer Operation unter normalen Bedingungen nicht vorbehaltlos
ausgesetzt werden.
In Zusammenarbeit mit einem Tierarzt, der sich gewissenhaft über
Narkoserisiko und Operationstechnik informiert hat, ist die
Frühkastration für den Züchter, der seine Jungtiere aus bestimmten
Gründen nicht für die Weiterzucht zulassen möchte, jedoch eine sehr
gute, weiterreichende Alternative zu Zuchtsperrvermerk und
Kastrationsvertrag
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